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Im Sommer kam mein Freund „Günni“ zu Besuch und ist spontan von meinem neuen „Chari“ begeistert. Obwohl er genauso wenig Ahnung wie ich von dem ganzen Thema hat, verkünden wir zu später Stunde mutig: „Morgen Abend servieren wir ein mehrgängiges Grillmenü mit Beilagen und allem Drum und Dran!“ Unsere Damen sind hellauf begeistert - ich schlafe die halbe Nacht nicht und ärgere mich wieder einmal über meine große Klappe. Leider ist am nächsten Morgen unser Versprechen beim Frühstück sofort wieder Thema. Also füge ich mich in mein Schicksal.
Ein gutes Barbecue beginnt mit einer präzisen Planung und dem richtigen Einkaufen. Zumindest machen wir Anfänger das so: Tomaten-Ciabatta, gefüllte Grilltomaten, Champignons und gefüllte Auberginen. Danach weißer Fisch, dann Spare Ribs mit Kräuterbaguette, die legendären “Beer Butt Chicken“ mit Rosmarinkartoffeln, und zum Abschluss gegrillte Banane mit Schokoladensoße. Ein lockeres 5-Gang-Menü; wenn schon, denn schon! Ich gebe zu, die meisten Ideen habe ich mir aus dem Internet gesucht, nur die Aktion mit den Tomaten war echt von mir.
Mit unserem Einkaufszettel stöbern wir dann erstmal über den Wochenmarkt und durch den Supermarkt und landen völlig erschöpft und voll bepackt in unserer Küche. Jetzt brauchen wir ein gutes Timing - und ein Bier. Bier ist da, am Timing arbeiten wir noch. Wir beginnen mit rückwärts rechnen. 19 Uhr essen heißt 17 Uhr Spare Ribs auflegen, die brauchen rund zwei Stunden. Dafür muss man sich auch nicht drum kümmern. So ähnlich berechnen wir auch die anderen Gänge und fangen an: Brot schneiden, Tomaten aushöhlen, Zwiebeln und Mozarella rein, Speck, Zwiebeln und Knoblauch auf die geteilten und etwas ausgehöhlten Auberginen, Kartoffeln waschen usw…
Macht zu zweit richtig Spaß und alles geht uns auch locker von der Hand, trotz fehlender Übung. Ab und zu belohnen wir uns mit einem kalten Bier für den verletzungsfreien Umgang mit Küchengeräten. Die Ribs haben wir in Alufolie verpackt und legen Sie pünktlich auf den vorgeheizten „Chari“, natürlich indirekt. Tomatenbrote, Gemüse und Fisch legen wir auf Aluschalen und stellen diese etwas später direkt über die Glut.
Beim „Beer Butt Chicken“ (kurz BBC) sitzt das Hähnchen auf einem Ständer, in dem eine halbvolle Bierdose steht.
Beim Grillen gibt das verdampfende Bier dem weißen Hähnchenfleisch eine zartere Note, so wird es nicht trocken und faserig. Geht auch mit Rotwein, Cola oder Apfelsaft.
Der erste Gang wird fast perfekt, bis auf die Auberginen. Man muss sie wohl dünner schneiden oder früher auflegen - gar ist was anderes. Macht nix, der Rest schmeckt wunderbar! Der weiße Fisch ist auch schön zart, dabei kann man ja auch wirklich nichts verkehrt machen. Nun wird’s etwas kritisch. Ich versuche, die Hähnchen zu platzieren und werde nervös, weil unser perfekt ausgearbeiteter Zeitplan ins Wanken gerät. Die Damen amüsieren sich köstlich beim Zugucken. Nur meine Söhne nicht, die haben Hunger auf Fleisch. Also entferne ich, leicht hektisch, die Folie von den Spare Ribs, lege jedes Teil kurz direkt über die Glut und pinsele sie mit einem Mop und einer fertigen Barbecue-Soße ein.
Unglaublich, die Dinger sind so zart, da fällt das Fleisch von selbst vom Knochen. Dazu gibt’s Kräuterbaguette. Undeutlich formulierte „Mmhh`s“ und „Oohh´s“ lassen unsere Brust vor Stolz schwellen! So schnell wird „Mann“ zum „Grillprofi“!
Ein glücklicher Zufall, dass die Hähnchen doch noch etwas länger brauchen, denn alle sind nun dankbar für ein kleines Päuschen. Merke: Barbecue braucht keine Hektik. Lass Dir Zeit, genieße jeden Gang, grille und iss mit Muße. Es ist genug Zeit zum Plaudern, Trinken, Rauchen, oder was auch immer, denn das Meiste kann gar nicht verbrennen. Mit einer Thermometergabel prüfe ich die Kerntemperatur der Hähnchen und befinde diese nun für gut.
Die Hähnchen bekommen einen Anstrich mit einer Hot Buffalo Wings Soße und schmecken einfach genial. Das weiße Fleisch ist zart und saftig. Als Lohn freuen wir uns wieder über die schon oben zitierten „Mmhh´s“ und „Oohh´s“ der Grill-Runde.
Nach einer erneuten Pause werden die halbierten Bananen in einer Aluschale ein paar Minuten über der Glut angegrillt. Fertige Schokoladensoße drüber, kleine Verzierung auf den Teller, fertig.
Endlich sind alle pappsatt, wir servieren noch einen kleinen Absacker und sind die Helden des Abends. Es ist kaum zu glauben, wir haben aus dem Nichts ein 5-Gänge Menü gezaubert! Zudem hat es einen Riesenspaß gemacht und war nicht wirklich schwer. Null Ahnung, null Erfahrung, nur Lust und Experimentierfreude.
„Barbecue ist ja sooo einfach ...“
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